Wiener Hofburg

DEUTSCHES REISE JOURNAL

Da ist es schon ratsamer, gleich in den Lieblings-Urlaubsort von Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl hinüberzufahren. In der Adventszeit,wenn die Vorfreude die malerisch gelegenen Seegemeinden ergreift, putzen sich See und Ortgleichermaßen heraus. Weihnachtliche Dekoration schmückt die Häuser, Adventsmärkte mit ihrem unnachahmlichen Duft von Glühwein und Bratapfel öffnen ihre Pforten, im See liegt die zehn Meter hohe Friedenslicht-Laterne vorAnker. Selbst die Wolfgangsee-Schifffahrt ist in Adventsstimmung und steuert mit ihren Booten von einem Ort zum anderen – nach Strobl, dassich als leibhaftiges Krippendorf mit handgeschnitzten Figuren und lebenden Tieren präsentiert, nach St. Wolfgang, wo Tausende Lichter die Nacht erhellen, nach St. Gilgen, dessen liebevoll gestaltete Marktstände von barocker Wand- und Deckenmalerei inspiriert sind. Vielleicht bleibt bei all dem Schauen ja noch Zeit für einen Abstecher in die Konditorei Dallmann am St. Gilgener Mozartplatz, wo das Musikgenie als Denkmal steht. Er soll eine rechte Naschkatze gewesen sein, und so wie er die Nachwelt mit genialen Kompositionen verwöhnte, so verwöhnte ihn seine, aus St. Gilgen stammende Mutter mit nicht weniger genialen Kreationen aus der Küche. Was lag für Konditormeister Franz Mayrhofer näher, als dem Süßschnabel auch ein lukullisches Denkmal zu setzen? Mozarts Reisetorte ist eine unvergleichlicheVerführung, über deren Kaloriengehalt man besser den Mantel des Schweigens ausbreitet; doch handlicher sind die kleinen Kugeln im blau-silbrigen Staniol, die erstmals bei derWeltausstellung in Paris auftauchten und von dort als Mozartkugeln ihren Siegeszug um die Welt antraten. Bei Franz Mayrhofen kann man die süßen Dinger mit extra viel Marzipan nicht nur naschen, man lernt auch, wie die Nougatbusserl im Schokomantel gefertigt werden – das heiß begehrte Diplom, das die Kursteilnehmer als erfolgreiche Mozartkugelmacher ausweist, gibt`s als Zugabe. Nicht verwunderlich, dass diese Einführung in österreichische Konfiserie- Kunst bei Gästen aus Übersee hoch im Kurs steht. Selbst Sisi, die zeitlebens auf ihre schlanke Taille achtete, wäre angesichts der köstlichen Kugeln wohl schwach geworden und hätte sich einen der sinnlichen Seelentröster gegönnt. Schließlich ist die kleine Sünde mit einem flotten Marsch mehr als wett zu machen – und solchem frönte die österreichische Kaiserin ausgiebig.

 Roswitha Bruder-Pasewald.Dezember 2008